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Unisex-Tarife werden kaum günstiger

Autor: Alena Martine am: 13.02.2012

Bis Ende des Jahres müssen die privaten Krankenversicherungen für Männer und Frauen einheitliche Policen, die sogenannten Unisex-Tarife, anbieten - das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) im März 2011 entschieden (Az.: C-236/09). Allerdings steht die Branche vor einigen Problemen bei der Umsetzung, was nicht zuletzt daran liegt, dass das Bundesfinanzministerium hierzu noch keine eindeutigen Aussagen gemacht hat. Eine Sprecherin des Ministeriums erklärte, dass es noch keine "abschließende Entscheidung bezüglich einer Umsetzung nur für das Neugeschäft oder darüber hinaus auch für den Bestand" gebe. Das Ministerium tendiere jedoch dazu, die Bestandskunden nicht auf die neuen Tarife umstellen zu lassen, weil man für einzelne Versichertengruppen "erhebliche Beitragserhöhungen" fürchte. Hinzu kommt, dass ein aktuelles Gutachten von Verfassungs- und Staatsrechtler Prof. Dr. Dr. Josef Isensee zu dem Ergebnis kommt, dass die Anwendung der Unisex-Verträge auf Bestandskunden verfassungswidrig sei.

Die Unentschlossenheit der Bundesregierung hat dazu geführt, dass die privaten Krankenversicherer es rein zeitlich schon nicht mehr schaffen, die Verträge ihrer Bestandskunden bis zum Stichtag (21.12.2012) umzustellen. Debeka-Vorstand Roland Weber bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) mit den Worten "Dafür ist es einfach zu spät". Weber teilte mit, dass dies für viele Unternehmen gelte.

Weber schätzt die Umstellung der Bestandskunden auf Unisex-Tarife als organisatorisch und technisch sehr aufwändig ein. Die Versicherer müssten die neuen Tarife vorsichtig kalkulieren, weil niemand wisse, wieviele Frauen in den neuen Tarif wechseln wollen. Würden alle weiblichen Versicherten in den Unisex-Tarif wechseln, so würde dies Kosten von mindestens 100 Millionen Euro verursachen. Somit bestehe die Gefahr der Unterkalkulation, deshalb geht er davon aus, dass man sich bei der Kalkulation der Beiträge eher an den bisherigen Frauen-Tarifen orientieren wird als an den Mittelwerten. Mit anderen Worten: Der neue Tarif wird für Männer deutlich teuer und für Frauen lediglich etwas günstiger.

Bislang wurden die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) nach Risikofaktoren berechnet. Dazu gehört neben dem Alter und möglichen Vorerkrankungen auch das Geschlecht. Frauen mussten bisher die höheren Beiträge bezahlen. So muss z.B. eine 30-Jährige bei Marktführer Debeka 434 Euro und ein gleichaltriger Mann 350 Euro Monatsbeitrag zahlen.

Wie die Ärzte-Zeitung berichtet, sind aktuell etwa 4,51 Millionen Männer, 2,75 Millionen Frauen und 1,63 Millionen Kinder in der privaten Krankenversicherung versichert.



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